Bericht vom Workshop „Arbeitende Frauen“

Der erste Raum ist schnell voll, so dass wir uns in zwei Gruppen aufteilen müssen. Wir sind eine bunte Mischung aus Argentinien, Brasilien, Deutschland, Ecuador, den Niederlanden, der Türkei, den USA und natürlich aus Venezuela.
Wir sind Reinigungsfrauen, Metallarbeiterinnen, Lehrerinnen, kaufmännische Angestellte, Angestellte von staatlichen Organisationen oder Gewerkschaften und nicht zu Letzt auch Studentinnen der Universität Bolivar.
Aus den Ländern die Frauen sehr konkret von ihren Erfahrungen mit der doppelten Ausbeutung und Unterdrückung, aber auch über ihre Errungenschaften der Frauenbewegung:

Ecuador berichtete von diskriminierenden Stellenausschreibungen: „schöne, junge, kinderlose Frau für die Arbeit gesucht!“. Allgemein ist die Ausbildung der Frauen ein Problem, dass Analphabetentum ist groß. Sich aber damit zufrieden zu geben, dass Frauen nur lesen und schreiben lernen, bedeutet auch den Machismus zu akzeptieren. Auch unter Frauen ist das ein Problem. Die Verfassung schreibt viele Rechte auch für Frauen fest, doch sie stehen bisher nur auf dem Papier. Sie kämpfen um deren Durchsetzung.
Argentinien: Eine Arbeiterin von Kraft Food meinte: die Folgen der Weltwirtschaftskrise hat unser Volk bezahlt. 229.000 Entlassungen gab es. Sie fordern, dass die Profiteure die Krise bezahlen sollen. Sie haben einen Kampf für bessere Hygienebedingungen geführt, dafür haben sie 38 Tage ihre Fabrik besetzt. Jetzt kämpfen sie für eine Kinderbetreuung im Betrieb.
Brasilien: „Wir brauchen keinen Geschlechterkampf, wir brauchen Klassenkampf.“
USA: Eine Lehrerin kämpft für die gewerkschaftliche Organisation und gegen die Kriegseinsätze der USA. Soldat-sein wird oft als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit propagiert, selbst vom eigenen Vater, gegenüber seinem Sohn. Dagegen machen sie mobil.
Venezuela: Sie erzählen von den vielen Errungenschaften für die Frauen. Die Dozentinnen verdienen jetzt gleich wie die Männer. Durch die Mission Sucre können Männer und besonders auch Frauen eine Ausbildung, bzw. eine Studium nachholen. Es werden neue, sozialistische Gewerkschaften aufgebaut, die alten waren reaktionär. Es gibt neue Formen z. B. der kommunalen Mitbestimmung durch Räte und viele weitere soziale Projekte. „Wir haben uns befreit vom Kolonialismus von Spanien und der USA und jetzt sind sie auf dem Weg der Freiheit.“ Gleichzeitig betonte eine Venezuleanerin: „Wir brauchen eine kritische Begleitung und vor allem müssen wir auch eine Kontrolle organisieren für den Weg zum Sozialismus. Damit wir nicht bei den ökonomischen Verbesserungen stehen bleiben. Es gibt nach wie vor zwei Klassen, Arbeiter und Kapitalisten. Die ökonomische Macht liegt immer noch nicht in unserer Hand, private Konzerne bestehen nach wir vor.“
Türkei: Eine Hausangestellte erklärt, dass sie sehr unterdrückt werden, dass sie auch viel Gewalt von den Männern erfahren. Es gibt keinerlei zeitliche Begrenzung ihrer Arbeitszeit. Sie fordern vom Staat die Organisierung der Kinderbetreuung.

Am letzten Tag ging es vor allem darum, diese Erfahrungen zusammen zu fassen, Forderungen aufzustellen für die Frauen der Welt, aber auch festzustellen, wo wir uns noch nicht einig sind. Darüber werde ich noch berichten.
Viele Grüße, Kerstin.

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About worldwomensconference

Der Jugendverband REBELL hat die Verantwortung übernommen, die LIVE-Berichterstattung der 1. Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen zu übernehmen.
This entry was posted in 7.3.2011, Deutsch. Bookmark the permalink.

One Response to Bericht vom Workshop „Arbeitende Frauen“

  1. Brigitte Fröhlich says:

    Ich brauche dringend die spanische und englische Übersetzung der Eröffnungsrede. Gibt es sie?
    Die Berichten haben uns viel gebracht, wir waren auf dem laufenden dieses bewegenden Ereignisses. Wird es dokumentiert?
    Vielen Dank für alle eure Mühen und seid herzlich gegrüßt von Brigitte aus Hattingen

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